Performance Art zählt zu den umfassendsten und radikalsten Kunstformen, da sie aus der Begegnung von bildender und darstellender Kunst entsteht und zugleich über deren Grenzen hinausgeht. Mit ihren Ursprüngen in der Dada-Bewegung und bei Antonin Artaud sowie mit Künstler wie Marina Abramović und Romeo Castellucci als bedeutenden Wegbereiter schafft diese Kunstform einen Raum für Menschen mit einem forschenden Geist, einer ausgeprägten Experimentierfreude und dem Wunsch nach tieferer künstlerischer Auseinandersetzung.
Im Mittelpunkt der Performance Art steht die Erforschung des Körpers durch Improvisation in Bezug auf Raum und Zeit sowie die Auseinandersetzung mit körperlichen und psychischen Grenzen. Sie untersucht Ausdrucksformen des Unsagbaren, die nicht durch Worte, sondern durch die Begegnung von Körpern und Blicken vermittelt werden. Der Körper der Performer*innen wird zum lebendigen Bestandteil eines Kunstwerks, das vor einem Publikum entsteht. Dabei spielt das Publikum eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung und Wahrnehmung der Performance.
Samstag, 12. September
In diesem Workshop werden folgende Bereiche erforscht:
a) Körperübungen: der poetische Körper, die Aufhebung rationaler Kontrolle, die Befreiung der Ausdruckskraft sowie die Erforschung körperlicher und emotionaler Grenzen
b) Erforschung der Sinne
c) Stimmübungen und die Entdeckung von Klängen, die aus dem Körper entstehen
d) Einsatz und Symbolik von Objekten, digitale Kunst und visuelles Denken in der Selbstinszenierung
Am Ende des Workshops erfolgt eine Einführung in die Orestie von Aischylos, mit einer Analyse des Textes und der Verteilung der Rollen.
Während des gesamten Workshops werden historische Bezüge zur zeitgenössischen Kunst sowie Materialien zu wichtigen Künstler*innen und Wendepunkten der Kunstgeschichte eingebunden. Ziel ist es, die Wahrnehmung der Teilnehmer*innen zu erweitern und neue Perspektiven auf Kunst und künstlerische Ausdrucksformen zu eröffnen.
Samstag, 26. September
Arbeit an der Orestie
Die Teilnehmer*innen präsentieren die entwickelte Performance sowie ihre Ideen und Interpretationen zu den jeweiligen Rollen. Das Werk entsteht durch eine gemeinsame Komposition, in der individuelle Ansätze miteinander verbunden und weiterentwickelt werden.
Über das Werk
Der König Agamemnon kehrt aus Troja zurück. Seine Frau Klytaimnestra ermordet ihn, um den Tod ihrer Tochter Iphigenie zu rächen, die für den Krieg geopfert wurde.
In den Choephoren rächt ihr Sohn Orestes mit Unterstützung seiner Schwester Elektra den Tod des Vaters, indem er seine Mutter tötet.
In den Eumeniden wird Orestes von den Erinnyen wegen des Muttermords verfolgt. Schließlich wird er in Athen vor Gericht gestellt und durch das Eingreifen der Göttin Athene freigesprochen. Der Kreislauf der Blutrache endet und die persönliche Vergeltung wird durch die Gerechtigkeit der Gesetze ersetzt.
Zentrale Themen der Auseinandersetzung:
● Häusliche Gewalt● Frauen in Machtpositionen und patriarchale Gesellschaftsstrukturen● Demokratie, Gerechtigkeit und Geschlecht
Die Präsentation der Performance
Performance-Arbeiten entstehen auf experimentelle Weise, wobei die Interaktion mit dem Publikum eine zentrale Bedeutung hat. Die Präsentation und die Kommunikation mit dem Publikum führen daher im Anschluss an die Performance zu einem gemeinsamen Gespräch.
Dieses Gespräch ermöglicht den Austausch über die gemeinsame Erfahrung sowie über die persönliche Wahrnehmung und Reaktion des Publikums.
Ziel des Workshops ist es, die zeitlosen Themen des klassischen Textes als Fragen von Demokratie und Geschlecht sichtbar zu machen, Experimentierfreude und Ausdruck zu fördern, die Reaktion des Publikums zu erforschen und eine Verbindung zu aktiven Künstler herzustellen, die sich mit künstlerischen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinandersetzen.
Biografie
Themida Ioa studierte Theaterregie am Nationaltheater Athen und absolvierte die Höhere Schauspielschule Praxis 7. Darüber hinaus besuchte sie Kurse für bildende Kunst an der Kunstschule Morfes und verfügt über Kenntnisse in Kunst- und Theatergeschichte. Sie besitzt ein Diplom in Pantomime und Körpertheater.
Seit 2012 arbeitet sie mit Theatergruppen im Bereich Schauspielerührung und Regie zusammen und organisiert parallel Schauspielworkshops an verschiedenen Theaterorten in Athen.
Sie ist Gründerin des Acting Studio 31, einer Schauspielwerkstatt, die seit 2022 in Athen tätig ist.
12.9. & 26.9.
Start:10:30
Ende: 14:30
Maximale Teilnehmer*innenzahl: 10 Personen. Vorherige Theatererfahrung ist erwünscht.
Anmeldung bitte an: themidajo@gmail.com